Die Kappō sind japanische Methoden der manuellen Wiederbelebung und Schmerzlinderung. Sie basieren in erster Linie auf vitalwirksamen Druck-, Stoß- und Streichtechniken bzw. deren Effekt auf zunehmend medizinisch erklärbare Wirkungsbereiche des menschlichen Körpers. „Kappō“ bedeutet „Methoden des Lebens“ (活法). Sie werden im Westen oft fälschlich „(das) Kuatsu“ genannt, vermutlich eine korrumpierte Überlieferung des Kanji 活 („katsu“, Leben). Je nach Auffassung sind sie dem Seifuku jutsu
Im fernen Osten genossen sie einst insbesondere in den Kreisen des alten Jūdō weitläufige Bekanntheit und führten in vielen traditionellen Schulen ein omnipräsentes aber stets eher latentes Randdasein, so etwa im Kōdōkan [1], Nihon Karate Kyōkai [2] und Kyokushinkai [3]. Sie galten vermutlich als höhere Kunst, da sie bereits eine gewisse Grundfertigkeit in der Anwendung der herkömmlichen
Methoden der Kampfkunst - den s.g. Sappō (殺法, „Methoden des Tötens“) - sowie ein tieferes Verständnis der menschlichen Anatomie und Physiologie sowie den Mut zur Entscheidung und Verantwortung in besonderem Maße erfordern. In den Westen gelangten die meisten Konzepte der Kappō nicht flächendeckend und nur bruchstückhaft. Ihr Hauptanwendungsgebiet liegt heutzutage in der Ergänzung der generischen schulmedizinischen Ersten Hilfe um eine differenzierte Heilbehandlung, obwohl prinzipiell viel weiterreichende Überschneidungen etwa mit der Osteopathie festzustellen sind. Die Kappō ersetzen jedoch keinesfalls einen Arztbesuch und auch rechtliche Aspekte sind bei einer Anwendung zu beachten. Sie dienen als direkte Anwendung am Unfallort, keinesfalls als abschließende kurative Behandlung.
Insbesondere im Kampfsport ist das richtige Wissen um den Fall einer verletzungsbedingten Notsituation ein viel zu sehr vernachlässigter Themenkomplex. In nahezu jedem Sportverein kann man sich in einer meist großen Vielfalt an Kampfkünsten und Stilrichtungen darin ausbilden lassen, hocheffektiv Schaden am menschlichen Körper anzurichten. Der umgekehrte Weg hingegen, nämlich einen vorhandenen Schaden zu behandeln, bleibt nahezu immer ohne Beachtung. Hier bilden die Kappō einen wichtigen Bestandteil der Kampfkunst gleich welcher Art und verdienen eine viel breitere Bekanntheit, als sie sie insbesondere hierzulande seit Jahrzehnten erfahren. Doch auch im normalen Alltag geben sie dem Praktizierenden ein mächtiges kuratives Werkzeug an die Hand, das in Notfallsituationen wortwörtlich Leben retten kann.
Ich selbst habe die Kappō seit 2008 durch mehrere Seminare von Hendrik Rubbeling, Oliver Blöse und Hans Jürgen Sobota kennengelernt. Sobotas Lehrunterlagen leiten sich dabei hauptsächlich vom Dortmunder Jūdōka Anton Greven (†2005) und Dr. Eric de Winter (†1981) ab, einem französischen Jūdōka, Arzt und Pionier der Manuellen Medizin. De Winters Veröffentlichungen aus dem Jahr
Die Kappō lassen sich grob in zwei umfangreiche Komplexe untergliedern (nach de Winter):
Allgemein sei noch zu erwähnen, dass die Kappō kein in sich geschlossenes oder einheitlich überliefertes System bilden. Verschiedene Überlieferungslinien
lehren bisweilen unterschiedliche Techniken oder weichen in den Details und Beschreibungen von unseren
Ausführungen ab.
UnsereKappō umfassen folgendes Kurrikulum:
(Ordnung frei orientiert an der meiner Lehrer)
Allgemeines zu den Kappō, ihren Anwendungen und Grenzen. Übergang zur und knappe Darstellung der westlichen ersten Hilfe. Allgemeine Informationen zum richtigen Verhalten am Unfallort. Dazu Hinweise zu anatomischen und psychologischen Besonderheiten verschiedener Menschen, die es zu beachten gilt. Dieses Kapitel entspricht im Groben der schulmedizinischen
ersten Hilfe.
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Da diese Grundlagen für jeden wissenswert und auch ohne praktische Übung sehr wertvoll sind, können sie hier frei eingesehen werden. |
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Kappō zur Anwendung bei Bewusstlosigkeit …
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Kappō zur Anwendung nach einem Hodenschlag oder -tritt ohne Bewusstlosigkeit. Eigen- und Fremdmaßnahmen. |
Shiatsu-verwandte Maßnahmen zur Anwendung bei nicht chronischen Kopfschmerzen. Diese Techniken gehören meines Erachtens nicht zu den Kappō. Insbesondere da sie auf Meridianen (Energieströmen) basieren und somit keine wissenschaftliche Grundlage besitzen, betrachte ich sie als sehr kritisch. Da sie Bestandteil der Seminare meiner Lehrer waren und ich die Techniken – ungeachtet einer etwaigen Wirkung oder Wirkungslosigkeit – als sehr angenehm empfinde, gebe ich sie dennoch wieder.
Kappō zur Sofort- und Nachbehandlung bei Blutergüssen.
Kappō zur Anwendung bei Nasenbluten.
Kappō zur Einrenkung aus- oder verrenker Gelenke:
Dazu: Anwendung bei leicht ausgerenkten Rückenwirbeln zur temporären Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens.
Kappō zur Anwendung bei Krämpfen:
Kappō zur Anwendung bei Atemnot:
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